03. March 2020 Autor: Florian Ristl

Was ist Windows Virtual Desktop? | WVD Serie Teil 1/4

Was ist Windows Virtual Desktop? | WVD Serie Teil 1/4

Seit Herbst letzten Jahres (30. 9. 2019) ist Windows Virtual Desktop (WVD) global verfügbar und für den Produktivbetrieb freigegeben. Ich habe in der Praxis immer wieder festgestellt, dass zwar ein großes Interesse an Windows Virtual Desktop vorherrscht, aber es auch noch viele Fragen und Unsicherheiten dazu gibt. Deshalb habe ich mich entschlossen in einer vierteiligen Blogserie möglichst viele dieser Fragen und Unsicherheiten zu beseitigen.

In diesem ersten Teil soll erst einmal geklärt werden was WVD überhaupt ist, gefolgt von einer kurzen Gegenüberstellung zu den zwei bisher gängigsten Möglichkeiten einen virtuellen Arbeitsplatz bereitzustellen: RDS/Terminalserver und VDI (Virtual Desktop Infrastructure).

 

Alleinstellungsmerkmale und Vorteile von WVD

Mit Windows Virtual Desktop können virtualisierte Desktops und/oder einzelne Programme bereitgestellt werden. Dabei gilt es zu beachten, dass WVD ausschließlich in Azure verfügbar ist und somit eine Installation auf lokalen Servern (derzeit) nicht möglich ist. Neben dieser Einschränkung, verfügt WVD über zwei Alleinstellungsmerkmale, die es im Vergleich zu allen Alternativen besonders interessant machen:

  1. Mit Windows Virtual Desktop ist es möglich Windows 10 Enterprise im Multi-Session Modus zu betreiben. Das bedeutet, dass mehrere Benutzer gleichzeitig eine Windows 10 Installation auf derselben virtuellen Maschine (VM) verwenden können. Bisher musste man sich zwischen Multi-Session Fähigkeit (Terminalserver mit Serverbetriebssystem) und einem Clientbetriebssystem (VDI) entscheiden.

  2. Die Lizenzierung von WVD ist simpel und vergleichsweise günstig. Für eine korrekte Lizenzierung von WVD (mit Windows 10 als Betriebssystem) wird pro zugreifendem WVD Benutzer lediglich eine Microsoft 365 Lizenz (nicht zu verwechseln mit Office 365) benötigt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Bereitstellung und Wartung von Servern für Rollen wie Gateway, Broker und Web Access entfallen (Übersicht RDS-Rollen). Diese sind bei WVD bereits im Preis inbegriffen und werden von Microsoft zur Verfügung gestellt.

 

Windows Virtual Desktop im direkten Vergleich mit Terminalserver & VDI

Terminalserver

Vorteile:
✔️ Günstiger als VDI
✔️ Multi-Session fähig
✔️ kann überall betrieben werden (lokal, RZ oder Cloud)
Nachteile:
❌ Unterstützt ausschließlich Windows Serverbetriebssysteme
❌ keine UWP Apps, OneDrive oder Edge verfügbar
❌ Kompatibilitätsprobleme mit Clientsoftware möglich
❌ kein Entwicklungsfokus von Microsoft

 

VDI

Vorteile:
✔️ kann mit Clientbetriebssystemen genutzt werden
✔️ kann überall betrieben werden (lokal, RZ oder Cloud)
Nachteile:
❌ komplexe und teure Lizenzierung
❌ hohe Kosten für Hardware und Wartung
❌ kein Multi-Session Betrieb möglich (jeder parallele Benutzer braucht eine eigene VM)

 

Windows Virtual Desktop

Vorteile:
✔️ Vereint die Vorteile von Terminalserver und VDI (Clientbetriebssystem mit Multi-Session Modus)
✔️ günstige und simple Lizenzierung
✔️ geringerer Wartungsaufwand (durch Wegfall von Gateway, Broker und Web Access)
✔️ gute Skalierbarkeit
✔️ höchster Entwicklungsfokus von Microsoft
Nachteile:
❌ Ausschließlich in Azure verfügbar
❌ bei speziellen oder hohen Hardwareanforderungen (IOPS, Graphikleistung, etc.) kann die Total Cost of Ownership trotz aller Vorteile höher sein als bei einem Terminalserver

 


Zusammengefasst bietet Windows Virtual Desktop viele teils einzigartige Vorteile (Windows 10 Multi-Session, Lizenzierung). Diese führen dazu, dass WVD in jedem neuen Projekt, bei dem es um das Thema virtueller Arbeitsplätze geht, in die engere Auswahl genommen werden sollte. Besonders wenn in einem Unternehmen bereits Office 365 oder Microsoft 365 vorhanden ist, ergibt sich ein fast konkurrenzlos günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis.

Eine Evaluierung, ob WVD den jeweiligen Anforderungen genügt, ist aufgrund der Bereitstellung in Azure schnell und kostengünstig möglich. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitungen dazu wird im 4. Teil dieser Serie folgen. Davor werde ich aber zuerst im zweiten Teil die Lizenzierung von WVD (und zum Vergleich auch von Terminalserver und VDI) genauer beleuchten.

Wenn Sie bei der Evaluierung oder Umsetzung von Windows Virtual Desktop Unterstützung benötigen oder einfach nur eine unverbindliche Frage haben, dann hinterlassen Sie gerne einen Kommentar oder senden Sie uns eine Nachricht.