Die korrekte Lizenzierung von Windows Virtual Desktop (WVD) ist im Vergleich zu den bisher verfügbaren Alternativen (Terminalserver/RDS und VDI) deutlich einfacher zu verstehen und umzusetzen. Trotzdem gibt es einige Details zu beachten, die in der Praxis immer wieder zu Missverständnissen führen. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Blogpost (zweiter Teil einer vierteiligen Serie zu WVD ) die Lizenzierung von WVD im Detail beleuchten und anschließend in Sachen Komplexität und Kosten mit Terminalserver und VDI vergleichen.

Neben Windows 10 können mit Windows Virtual Desktop auch Windows 7 und alle Windows Server Versionen ab 2012 R2 (2012 R2, 2016, 2019) bereitgestellt werden. Dabei unterscheidet sich die Lizenzierung der unterstützten Clientbetriebssysteme (Windows 10 und Windows 7) von denen der unterstützten Serverbetriebssysteme (Windows Server 2012 R2 und neuer).

Unterschiede zwischen Client- und Serverbetriebssystemen

Bei den Clientbetriebssystemen wird pro Benutzer entweder ein Microsoft 365 Abonnement, ein Windows 10 Enterprise/Education Abonnement oder eine Windows 10 VDA Benutzerlizenz benötigt, jedoch keine RDS-CAL. Außerdem muss auch kein Betriebssystem in den WVD Azure VMs lizenziert werden. Ein Office 365 Abonnement hingegen enthält – unabhängig von der Version – nie eine WVD Lizenz.
Eine weitere Besonderheit ergibt sich beim Einsatz von Windows 7 mit WVD: Die eigentlich kostenpflichtigen Extended Security Updates (ESU), sind bei WVD kostenlos inkludiert. Diese werden benötigt, weil Windows 7 seit 14. Jänner 2020 nicht mehr mit herkömmlichen Sicherheitsupdates versorgt wird. Auf den Multi-Session Mode (mehrere Benutzer teilen sich ein Betriebssystem und eine VM) muss man jedoch bei Windows 7 verzichten. Dieser wird bei Clientbetriebssystemen ausschließlich von Windows 10 unterstützt.

Im Gegensatz dazu wird beim Einsatz von Serverbetriebssystemen in WVD pro Benutzer zwingend eine RDS-CAL mit Software Assurance (SAbenötigt. Ein Microsoft 365/Windows 10 Abonnement oder eine VDA Benutzerlizenz werden hingegen nicht benötigt. Die Lizenzierung des Windows Betriebssystems bei den WVD Azure VMs entfällt ebenfalls.

Update 21. 4. 2020: Microsoft hat sich dazu entschieden mit dem heutigen Tag die Office 365 Business Linie in Microsoft 365 Business umzubenennen (offizielles Statement am Microsoft Blog). So wird aus Office 365 Business Premium jetzt Microsoft 365 Business Standard. Zusätzlich ändert sich auch der Name vom bisherigen Microsoft 365 Business in Microsoft 365 Business Premium.
Wichtig ist außerdem, dass trotz der Namensänderung weiterhin nur Microsoft 365 Business Premium (vormals Microsoft 365 Business) die Lizenz für Windows Virtual Desktop beinhaltet. Der gesamte Blogbeitrag wurde bereits an die neuen Bezeichnungen angepasst.
Sollten Sie aufgrund dieser neuen Situation Unterstützung bei der richtigen Lizenzwahl benötigen, können Sie uns gerne unverbindlich 
kontaktieren.

WVD Lizenzierung in Verbindung mit Windows 7 oder Windows 10 im Überblick

Eine der folgenden Lizenzen wird benötigt:

✔️ Microsoft 365 E3/E5
✔️ Microsoft 365 A3/A5/Student Use Benefits
✔️ Microsoft 365 F1
✔️ Microsoft 365 Business Premium (vormals Microsoft 365 Business)
✔️ Windows 10 Enterprise E3/E5
✔️ Windows 10 Education A3/A5
✔️ Windows 10 VDA pro Benutzer

Folgende Lizenzen werden nicht benötigt:

❌ RDS-CAL
❌ Windows Lizenzen für WVD Azure VMs  

                                                         

WVD Lizenzierung in Verbindung mit Windows Server 2012 R2, 2016 oder 2019 im Überblick

Folgende Lizenz wird benötigt:
✔️ RDS-CAL mit Software Assurance

Folgende Lizenzen werden nicht benötigt:
❌ Microsoft 365/Windows 10 Enterprise/Windows 10 VDA
❌ Windows Lizenzen für WVD Azure VMs

Wichtig zu beachten ist außerdem, dass bei beiden Lizenzierungsvarianten (Client- und Serverbetriebssysteme) die Gesamtanzahl der Lizenzen immer der Gesamtanzahl der Benutzer entsprechen muss und es nicht ausreichend ist, nur die Anzahl der maximal parallel zugreifenden Benutzer zu lizenzieren.

Lizenzierung von WVD im Vergleich mit Terminalserver und VDI

Nun sollen anhand eines fiktiven Beispiels die Lizenzierungskosten für die Bereitstellung von virtuellen Arbeitsplätzen für 20 Benutzer zwischen Terminalserver, VDI und WVD verglichen werden. Die Hardware- bzw. Azure Kosten (Compute, Storage, Network) werden bewusst nicht berücksichtigt, um das Beispiel nicht unnötig kompliziert zu machen. Im dritten Teil der Blogserie werden aber die tatsächlichen Gesamtkosten von WVD Umgebungen genau behandelt.

Terminalserver

LizenzEinzelpreisAnzahlGesamtpreis
MS Windows Server 2019970€21940€ (einmalig)
Windows Server 2019 RDS User CAL131€202620€ (einmalig)
MS Office 365 E3236,40€204728€ (jährlich)

Initialkosten: 9.288€
Gesamtkosten gerechnet auf 5 Jahre: 28.200€

VDI

LizenzEinzelpreisAnzahlGesamtpreis
MS Windows Server 2019970€21940€ (einmalig)
Windows 10 Enterprise Upgrade + SA330€206600€ (einmalig)
Windows 10 Enterprise SA only (ab dem 3. Jahr)147€202940€ (zweijährlich)
Windows Server 2019 RDS User CAL131€202620€ (einmalig)
MS Office 365 E3236,40204728€ (jährlich)

Initialkosten: 14.918€
Gesamtkosten gerechnet auf 5 Jahre: 38.240€

Windows Virtual Desktop

LizenzEinzelpreisAnzahlGesamtpreis
Microsoft 365 Business Premium (vormals Microsoft 365 Business)202,80€204056€ (jährlich)

Initialkosten: 4.056€
Gesamtkosten gerechnet auf 5 Jahre: 20.280€


Anhand dieses kurzen Beispiels ist gut zu erkennen, dass WVD bei der Lizenzierung in vielen Szenarien bezüglich Komplexität, Initial- und Gesamtkosten erhebliche Vorteile gegenüber Terminalserver und VDI genießt.

Benötigen Sie bei der Evaluierung oder Umsetzung von Windows Virtual Desktop Unterstützung? Oder stehen Sie gerade vor einer komplexeren Lizenzierungfrage? Dann freuen wir uns, wenn Sie einen Kommentar hinterlassen oder uns eine kurze Nachricht schreiben.